Lobst du noch oder bestrafst du schon? Teil 2
Beispiel Strafe:
Steigt der Hund auf den Herd, weil er das Kotelett riecht und landet dabei mit seinen Pfoten auf die heiße Herdplatte, wird er dieses Verhalten in Zukunft seltener zeigen. Hierbei handelt es sich um eine Bestrafung. Die Gefahr jedoch, dass er überhaupt in Zukunft noch in die Küche gehen wird, ist groß. Ebenso groß ist die Gefahr, dass er sich in Zukunft vor Fleischgeruch fürchtet.
Der Haken: Das Hundegehirn entscheidet darüber, ob die Belohnung ein Verhalten verstärkt – nicht der Mensch! Belohnungen wirken als Verstärkung so individuell wie der Hund selbst. Sie sind zudem Kontextbezogen: Was eben noch als Belohnung wirkte, kann der Hund wenige Sekunden später als unwichtig empfinden.
Belohnungsarten und ihre Qualitäten
Hundebesitzer antworten, wenn sie gefragt werden, wie sie ihre Hunde belohnen, mit Futter oder Zuwendung. Vielfach ist bei Freude des Menschen zu beobachten, dass Hunde über den Kopf gestreichelt wird. Hunde mögen es im Training jedoch nicht, gestreichelt oder getätschelt zu werden. Die Körpersignale der Hunde teilen mit, ob ein Hund das Streicheln als Belohnung empfindet oder nicht. Die Annahme, Hunde würden etwas „aus Liebe“ für Menschen tun, ist ein stark vermenschlichter Ansatz. Ein Hund ist ein Opportunist (ein Individuum, das zweckmäßig handelt, um sich der jeweiligen Lage anzupassen und einen Vorteil daraus zu ziehen). Ein Hund tut Dinge vor allem aus einer bestimmten Motivation heraus, um einen Eigennutzen daraus zu ziehen – gerade darum ist die Motivation bzw. die richtige Belohnung so wichtig.
Fortsetzung folgt.
Lobst Du noch oder bestrafst Du schon? Teil 1
Anm.: Dieses Thema vermittelt einen allgemein gehaltenen Einblick und bedient keine spezialisierten Trainingspläne. Für konkrete Trainingssituationen empfiehlt sich eine individuelle, fachkundige Beratung.
Lob und Strafe sind zentrale Steuerungsinstrumente im Hundetraining. Sie sollen erwünschtes Verhalten fördern bzw. unerwünschtes Verhalten reduzieren. Die Wahl der Methode, deren Umsetzung und der Kontext beeinflussen Lernprozesse und das Wohlbefinden des Hundes.
Unterschiedliche Verstärkungs- und Bestrafungssysteme beeinflussen zudem das Verhalten von Hunden, sie haben Auswirkungen auf das Wohlbefinden, die Motivation und die Bindung zum Halter.
Wenn die Belohnung des Menschen das AKTUELLE Bedürfnis des Hundes befriedigt, hat der Mensch die perfekte Belohnung gefunden. Eine Belohnung, die das Bedürfnis des Hundes befriedigt, verstärkt das Verhalten, welches der Mensch belohnt hat:
Beispiel Belohnung:
Der Hund reagiert auf das Signal „Sitz“ und setzt sich auf den Boden. Anschließend bekommt er ein Stück Futter.
Der Hund reagiert auf das Signal „Komm zurück“ und sobald er beim Halter angekommen ist, bekommt er einen Ball, ein Spielzeug oder eine Berührung an der Flanke.
Der Hund sieht einen Vogel, schaut daraufhin seinen Halter an und bekommt ein Stück trockenes Brot.
Steigt der Hund auf den Tisch, weil er die Pizza auf dem Tisch riecht und haben will, wird der Hund dieses Verhalten in Zukunft häufiger zeigen.
Fortsetzung folgt
"Der will nur spielen" Teil 3
Wann handelt es sich nicht um Spiel?
Wenige Spielsignale, kein Spielgesicht, keine Pausen.
Frustration oder Kontrollverlust.
Ein Hund sucht Schutz beim Halter oder die beteiligten Hunde liefern ständige Hochkämpfe.
Intensives Brüllen, Knurren oder auffälliges Verhalten kennzeichnen problematisches Spiel.
Beschwichtigungs- und Stresssignale
Abwenden von Kopf/Körper, Zunge lecken, Gähnen, Blinzeln, am Boden schnüffeln, Vorderkörper-Tiefstellung.
Übersprungshandlungen: Kratzen, Aufreiten, Schütteln, vermehrtes Hecheln, Gähnen.
Fakten
Was oft wie Spiel aussieht, ist meist gezieltes Hetzen, Jagen oder Raufen. Im „Spiel“ üben Hunde den Ernstfall. Wer ein Hundetreffen genau beobachtet und die Körpersprache lesen kann, sieht oft mehr als nur ein Spiel. Es geht um Disziplin, Absprechen, Beschwichtigen. Hunden geht es dabei selten ums bloße Spielen; sie treffen sich nicht, um einfach mal zu spielen.
Tatsächlich ist das vermeintliche Spielen mit anderen Hunden selten eine sinnvoll nutzbringende Beschäftigung. Aus Unwissenheit entsteht der Irrglaube, solche Kontakte würden den Hund auslasten. Ein ausgelaugter Hund ist oft nur körperlich müde; geistig wird er dadurch selten gefordert oder gefördert. Und Hunde wollen lebenslang lernen.
Wir Menschen sind wichtige Sozialpartner für unsere Hunde. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns mit ihnen beschäftigen und gemeinsam Zeit verbringen – auch beim Spielen. Natürlich dürfen Hunde Kontakt zu anderen Hunden haben und auch mal interagieren, doch echtes „Spielen“ bei Begegnungen mit fremden Hunden ist oft nicht vorhanden.
Um Spielsituationen richtig einschätzen zu können, lohnt es sich, die Hundesprache grob zu verstehen. Je besser man Hunde versteht, desto leichter lässt sich ungeeignetes Spiel stoppen und desto eher spürt man, wann sich der Hund wirklich wohlfühlt und wann nicht. Das Verständnis der Körpersprache erleichtert auch den Alltag und stärkt die Beziehung zwischen Mensch und Hund. Übung, Literatur oder Seminare helfen dabei, die Signale zu lesen und zu verstehen.
Übrigens…Rudeljagdspiele wie sie auf Hundewiesen gesehen werden, setzen voraus, dass die Hunde tatsächlich ein Rudel (also einen Familienverband) oder eine rudelartige Gruppierung (eine Gruppe nicht verwandter Hunde, die aber zusammenleben und eine Art Rudelstruktur haben) bilden.
"der will nur spielen" Teil 2
Spiel hat kein anderes Ziel außer dem Spielen, es ist zweckfrei und eigenmotiviert. Spiel macht Spaß, es ist aufregend und selbstbelohnend. Im Spiel werden Verhaltensweisen aus allen möglichen Lebensbereichen des Hundes gezeigt (zum Beispiel aus dem Jagdbereich und der Körperpflege), abgeschwächt oder übertrieben eingesetzt und willkürlich miteinander kombiniert und immer wieder wiederholt werden. Dem Spiel fehlt also der Ernstbezug zur Realität.
Wie sieht Spiel aus?
Spiel ist freiwillig und die Teilnahme kann jederzeit beendet werden.
Es findet in sicheren, entspannten Umgebungen statt. Hunger, Durst, Müdigkeit oder Angst schließen Spiel aus.
Regeln werden eingehalten und die Missachtung führt zum Ausschluss aus dem kooperativen Spiel.
Zeichen freundlichen Spiels: Entspannte Haltung, offenes Maul, lockere Bewegungen, kein ständiges Fixieren.
Typische Spielsignale: Spielgesichter, Vorderkörpertiefstellung, Anstupsen, Rollenwechsel
Rollentausch, Pausen und faire Abstände sind wichtig.
Selbst-Handicapping (größerer Hund reduziert sich zugunsten des kleineren) ist wichtig für faires Spiel.
Beschwichtigungs- und Stresssignale helfen, Konflikte zu vermeiden.
Körpersprache
Hunde kommunizieren über den ganzen Körper: Kopf, Rute, Muskulatur, Augenführung und Balance, um Gefühlszustand und Absicht zu erkennen.
Mit der Zeit sollte jedoch das Gesamtbild erkannt werden, da häufiger auch gemischte Signale verschiedener Körperpartien gesendet werden. Die Körperhaltung, die Ausrichtung, die Muskelanspannung, die Balance und Gewichtsverteilung verraten viel über den Gefühlszustand und Intention des Hundes.
"der will nur spielen" Teil 1
Hinter vermeintlich unbeschwertem Spielverhalten vieler Hunde steckt häufig Neugier, soziale Bindung oder „Stress“. Das Spielverhalten hängt von Faktoren wie Körpersprache, Kontext und Vorgeschichte ab, weshalb sich das durchaus sehr wichtige Thema „Spielverhalten“ nicht pauschal in wenigen Sätzen erfassen lässt. Eine vollständige, tiefgehende Behandlung aller Nuancen würde allerdings den Rahmen sprengen. Diese kurze Einführung soll daher nur grundlegende Aspekte und eine Orientierungshilfe geben und zeigen, warum eine differenzierte Beobachtung und ggf. fachliche Unterstützung sinnvoll sind.
Der Sinn des Spiels
Spielen verbraucht Energie und ist erlebnisorientiert, oft zweckfrei und selbstbelohnend. Im Erwachsenenalter spielen Hunde selten aus reinem Spaß; sie bevorzugen meist Kontakt zu vertrauten Artgenossen oder ziehen sich zurück. Interaktionen mit fremden Hunden werden häufig vermieden oder nur kurz gehalten. Doch die Kommunikation unter Hunden gehört zum Leben – dabei ist ein spielerischer Verlauf, sofern beide Seiten mitmachen, ideal.
Was ist überhaupt Spiel?
Laut „Johan Huizinga, einem niederländischen Kulturhistoriker“ ist „Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewusstsein des „Anderseins“ als das „gewöhnliche Leben“. Es gibt während des Spiels Regeln, aber das Ziel ist das Spiel selbst. Es ist geprägt von bestimmten Gefühlen und es ist mehr oder weniger das Gegenteil vom „richtigen“ Leben.
Sozialkontakte oder „Hunde sind doch Rudeltiere“ Teil 2
Menschliche Begriffe wie Sozialverträglichkeit verstehen Hunde nicht und für sie ergibt es auch keinen Sinn, mit fremden Hunden „spielen“ zu müssen. Richtig ist, dass Hunde Kontakte zu Artgenossen brauchen, aber nicht zu allen und auch nicht ständig. Sie benötigen Hundefreunde, mit denen sie Sozialkontakte üben und vertiefen können. Nahkontakt auf Ebene der Freiwilligkeit, sodass sich beide Hunde kurz beschnuppern können. Hundebegegnungen bereichern die Vierbeiner nur, wenn sie Zeit haben, einander kennenzulernen und entscheiden dürfen, welchen Hund sie mögen und welchen nicht. Verbringen zwei Hunde Zeit miteinander und ignorieren sich gegenseitig, dann ist das ein Zeichen eines sehr sozial verträglichen Hundes. Bei Hundefreundschaften sollten wir also auf Qualität statt auf Quantität setzen.
Frust wird beim ein- oder anderen Hund ausgelöst, wenn es darum geht, dass eine Hundebegegnung aus den unterschiedlichsten Gründen nicht möglich ist. Das Verhalten der Hunde wird durch den Halter reguliert und es werden Grenzen gesetzt, die der Hund vielleicht (noch) nicht gelernt hat. Die Einstellung eines Hundes zu anderen Hunden kann nicht durch Erziehung dauerhaft verändert werden. Ja, der Halter kann ihm nicht beibringen, jeden fremden Hund zu mögen und Charakter kann durch Ausbildung niemals grundlegend verwandelt werden.
Es ist aber möglich, den Hund so zu erziehen, dass er mit unserer Hilfe souverän Hundebegegnungen gegebenenfalls abbrechen bzw. vermeiden kann.
Sozialkontakte oder „Hunde sind doch Rudeltiere“ Teil 1
Hunde haben normalerweise nur wenige enge Kumpels und orientieren sich stark an ihren Menschen. Selbst scheinbar „gute Freunde“ können – gerade im Junghundealter – plötzlich zu Erzfeinden werden: Weil die Halter schleichende Veränderungen leider übersehen. Wenn ein Hund nicht mit jedem anderen „spielt“, bedeutet das nicht, dass er sozial unverträglich ist.
Gerade auf Hundewiesen finden soziale Interaktionen oft heftig und in kurzer Zeit mit vielen fremden Hunden statt. Dabei bemerken Halter häufig nicht, dass Raum für territoriales Verhalten entstehen kann. Es entstehen Bündnisse, in die andere Hunde möglicherweise schwer hineinkommen. Schnell geraten Hunde in einen inneren Konflikt: Sie suchen Schutz beim Halter, sind aber gleichzeitig auch neugierig auf die anderen Hunde.
Hunde kooperieren gerne mit Artgenossen – und dabei darf der Halter mitwirken. Hundebesitzer, die sich tief in ihr mobiles Telefon vertiefen oder sich unterhalten, sind keine Kooperationspartner, sondern geben ihren Hund quasi ab und überlassen ihn sich selbst. Wenn dann ein vierbeiniger Hund wie ein D-Zug in eine Gruppe von Hunden kracht, ist das keine freundliche Geste und vernünftige Hunde würden das sehr schnell korrigieren. Sozialverträgliche Hunde nähern sich behutsam und respektvoll. Sie machen Bögen, geben anderen Hunden Raum und ziehen sich zurück, sobald der andere Vierbeiner keinen Kontakt möchte.
Entspannt alleine bleiben
Hunde sind Rudeltiere. In der Natur bedeutet es den sicheren Tod für ein Jungtier, wenn es vom Rudel allein zurückgelassen wird. Welpen und Junghunde sollten früh lernen, allein im Haus zu bleiben. Auch bei der Integration erwachsener Hunde in einen neuen Haushalt hängt der Hund zu Beginn oft an der neuen Bezugsperson.
Hunde, die nicht daran gewöhnt sind, alleine zu bleiben, suchen sich oft Beschäftigungen, die dem Hundebesitzer weniger gefallen. Bei der Rückkehr nach Hause findet man dann zerkaute Möbel, ausgeräumte Küchenschränke oder geleerte Mülleimer vor.
Hunde mit Trennungsangst bellen, jaulen oder heulen oft, um Kontakt zu ihren Besitzern aufzunehmen. Einige folgen den Besitzern und richten dabei Schäden an Türen oder Fenstern an. In Einzelfällen zeigen Hunde unter Trennungsangst selbstschädigendes Verhalten, wenn sie allein sind. Dieses Verhalten ist stressbedingt. Wenn Problemverhalten nur in Abwesenheit der Besitzer auftritt und jedes Mal, wenn sie außer Haus sind, beobachtet wird, deutet das stark auf Trennungsangst hin.
Eine weitere Ursache kann eine übermäßige Bindung an eine Bezugsperson sein. In der Regel haben Hunde mit Trennungsangst kein Problem, wenn ein bekannter Mensch anwesend ist. Hunde mit einer übermäßigen Bindung zu einer bestimmten Person zeigen jedoch starke Trennungsangstsymptome, sobald sie von dieser Bezugsperson getrennt werden. Diese Form der Abhängigkeit von einer einzelnen Person tritt bei Hunden auf, die schlecht sozialisiert sind oder unter einem schweren Deprivationssyndrom leiden.
Hunde sollten so lernen, auch mal alleine zu bleiben, damit sie keine Trennungsangst entwickeln, niemandem schaden oder Verhaltensprobleme zeigen, wenn die Bezugsperson nicht da ist. Das erleichtert außerdem den Umgang mit Alltagssituationen wie Urlaub, Arbeit oder Notfällen. Eine neue Umgebung kann selbst Hunde, die gewohnt sind, eine Zeit lang alleine zu bleiben, stressen und sie sollten in der Ferienwohnung oder in der Hundebetreuung nicht gleich allein gelassen werden. Ebenso sollte die Dauer von sechs Stunden nicht überschritten werden. Das Training sollte schrittweise und positiv aufgebaut werden, damit kein Stress entsteht und das Wohlbefinden erhalten bleibt. Unser Zuhause sollte ein Ort der Ruhe und des Rückzugs für den Hund sein – sowohl mit uns als auch ohne uns.
